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Mai bis August, das war's.

Autor: Till | Datum: 20 August 2012, 14:57 | Kommentare deaktiviert

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            10. August

HalliHallo,

der letzte Rundbrief steht an und das heißt wohl, dass mein Jahr auf den Philippinen bereits vorbei ist. Wenn man es genau nimmt bleiben noch fünfzehn Tage, allerdings werden die vermutlich so schnell vergehen, dass ich die jetzt einfach mal außen vor lasse.

Das mein FSJ bereits rum ist merkt man an verschiedenen Dingen, zum einen daran, dass das Wetter wieder genau so ist, wie es war als wir letzten August angekommen sind. Das will heißen, es regnet den ganzen Tag, Manila ist wieder überschwemmt und mindestens einmal am Tag wird man so richtig nass. Nunja eigentlich kommt es mir noch gar nicht so lang vor seit ich hier angekommen bin, aber wenn man bedenkt was seit dem alles passiert ist und wie viel Zeug sich in meinem Zimmer angehäuft hat, muss wohl doch einige Zeit ins Land gegangen sein.

Naja bevor ich mich  hier im Geschwafel verliere werde ich mal lieber von den letzten drei Monaten hier berichten. Den letzten Rundbrief hatte ich Ende April geschrieben und wieder einmal wusste ich nicht, wo ich eigentlich aufgehört hatte zu erzählen. Jetzt weiß ich es zum Glück wieder und deshalb setzte ich jetzt dort wieder ein.

Textfeld: 1. Mai KundgebungNachdem mein Vater wieder nach Hause geflogen war, machte ich mich auf den Weg zum Menschenrechtsbüro des Kirchenkreises, da das Daycare Center Semesterferien hatte und ich mich so nach einer anderen Tätigkeit umschauen musste. Es erwarteten mich also typische Praktikantentätigkeiten und, so hoffte ich, ein paar spannende Eindrücke aus der Menschenrechtsarbeit. Kaum dort angekommen, machten wir uns an die Vorbereitungen für eine große Kundgebung am 1. Mai. Es sollte einen ökumenischen Gottesdienst geben und im Anschluss daran, wollten sich die Teilnehmer dem Demonstrationszug anschließen. Wir brachen also früh Morgens auf und es folgte ein wirklich guter Gottesdienst, in dem die Kirche in ihrer gesellschaftlichen Rolle und die Unterstützung der Arbeiter und Farmer im Vordergrund stand. Das einzige Problem war, das der Gottesdienst anscheinend nicht genug beworben wurde und so befanden sich ganze zehn Leute in der Kirche, mich, meinen Begleiter und den Pfarrer schon eingeschlossen. Nun gut, so war es wenigstens einfacher alle Teilnehmer davon zu überzeugen sich dem Zug anzuschließen. Auf der Demonstration an sich, trafen wir dann viele Mitglieder der Kirche und es würden sehr interessante Kundgebungen gehalten. Besonders spannend war es, dass mir durch meinen Begleiter, der auch mein Chef zu dieser Zeit war, viele verschiedene Menschen aus verschiedenen Sektoren vorgestellt wurden, deren authentische Berichte wirklich beeindrucken und zum Teil erschreckend waren. Eine wirklich spannende Erfahrung also, den ersten Mai einmal in einem anderen Land mit zu erleben.

Ich werde jetzt nur von den besonderen Ereignissen in dieser Zeit berichten, da ich vermute, dass ein Bericht von Büroarbeit nicht besonders spannend wäre. Denkt euch einfach zwischen den Aktionen von denen ich berichte, immer ein paar Tage die mit kopieren, Kaffee kochen und Computerarbeit gefüllt sind.

So weiter im Text. Eine Woche nachdem ich im Office, der in Los Banos, einer Universitätsstadt zwischen Lucena und Manila liegt, angekommen war, traf auch Robert dort ein. Wir arbeiten einen Monat zusammen, da auch in seinem Daycare Center zur Zeit Ferien waren.

Zum Programm des Büros zählt es zu verschiedenen Jugendcamps zu fahren, um dort Vorträge über Menschenrechte und Demokratieverständnis zu  halten. Diese Chancen nutzten wir, um ebenfalls ein wenig über unsere Arbeit und die Situation im Deutschland zu berichten. Bei manchen der Jugendcamps wurden wir dann gleich als Leiter mit eingesetzt und mussten verschiedene leicht merkwürdige Aufgaben erfüllen, doch davon später.

Erst einmal stand eine weitere wirklich spannende Aktivität an, nämlich der Besuch eines Prozesses gegen einen Farmer, der des Diebstahls, seiner eigenen Erzeugnisse bezichtigt wurde. Natürlich ein völlig haltloser Anklagepunkt, dennoch wurde der Farmer verhaftet, da der Landlord, der die Anzeige erstattet hatte, behauptete es wäre sein Besitz.

Der Prozess an sich war jedoch nicht das spannende an dieser Aktivität, da dieser nur 4 Minuten dauerte. Nein das spannende war die Fahrt dort hin, da wir mit dem Anwalt, einem bekannten Vertreter der unterdrückten Menschen, dort hin fuhren und sich auf dieser Fahrt eine tolle Chance bot mit ihm über verschiedene Fälle zu sprechen. Außerdem berichtete er uns von Bedrohungen und Verfolgung gegen seine Person.

Zwischen all diesen spannenden, aber auch mitnehmenden Erfahrungen, brauchten wir dann natürlich auch mal ein bisschen Entspannung und so kam es uns sehr gelegen, dass wir praktisch genau auf dem Campus der Uni wohnten, auf der es ein großes Fußballfeld gab. Also hieß es Abends meistens noch eine Runde Fußball spielen, was in einem Land in dem es sonst nur Basketballplätze gibt wirklich eine tolle Sache ist, vor allem, wenn noch eine Menge Menschen aus verschiedenen Ländern mitspielen.

Während der Tage bereiteten wir uns dann auf einen Jugendkonvoi vor. Es sollten verschiedene Slumgebiete besucht werden und dort eine Art Ferienschule mit den Kindern abgehalten werden. Also wurde geplant und vorbereitet und schließlich machten wir uns auf den Weg in die Städte. Ich selbst war in einer der Städte in der Nähe eingeteilt zusammen mit zwei Mädchen der Kirchenjugend, allerdings wurden wir getrennt untergebracht. Diese Erfahrung war sicherlich eine der wenigen Möglichkeiten, wirklich das Leben der ganz Armen kennen zulernen, und so hieß es in den Bretterverschlägen zu schlafen, deren Dächer nur aus Planen bestehen und am Nachmittag beim Abpacken der Holzkohle, mit der die Menschen ein wenig Geld verdienen zu helfen. Eine interessante, aber nicht wirklich schöne Erfahrung muss ich sagen, auch wenn ich sie nicht missen möchte. Besonders überraschend war es zu sehen, dass der Slum direkt hinter einem der größten Einkaufscentern der Region liegt, von der Straße aus nicht zu sehen und nur durch eine schmale Gasse zu erreichen, erstreckt sich das Gebiet dann jedoch fast einen Kilometerlang, entlang eines Flusses. Dieser Fluss bietet die einzige Wasserquelle und so dient er als Ort zum Waschen, Kochen, Fischen und leider auch als Ort zum Müll entsorgen, was eine sehr ungesunde Mischung ergibt. Auf Grund der Jahressitzung des Kirchenkreises blieben wir nur drei Tage in dem Gebiet und dann ging es erst einmal zurück nach Lucena.

Textfeld: CL Vorbereitungen in LucenaEs folgte eine mehr oder weniger spannende Konferenz, deren Höhepunkte die Wutausbrüche eines der pensionierten Pastoren, sowie das nächtliche Champions League Finale, welches dann zu einem Wutausbruch unsererseits führte. Man muss sich vorstellen, man sitzt die ganze Nacht gespannt vor dem Internet, hat sich extra einen Beamer besorgt und hält das erste Mal im Leben zum Fc Bayern und was passiert? Man stellt um 6 Uhr morgens fest, dass man sich eine ganze Nacht völlig umsonst um die Ohren geschlagen hat – bitter. Nunja man soll ja als Freiwilliger auch auf Probleme und Enttäuschungen vorbereitet sein. Es tut mir Leid, dass ich jetzt ein Foto davon reinstelle, aber keins aus dem Slumgebiet, der Grund dafür ist, dass ich leider meine Kamera nicht dabei hatte. Aber ich dachte ohne Bild sieht die Seite so langweilig aus.

Naja lassen wir das…

Also weiter! Am Montag nach der Konferenz hatte ich eine Einladung zu einer Hochzeit, bei der ich wohl die Rolle des „Kerzenträgers“ hatte. Das ist zwar nichts wirklich wichtiges, doch es war eine nette Geste und führte dazu, dass ich genötigt wurde, mich komplett im traditionellen philippinischen Festgewand zu präsentieren. Trotz mehrfacher Versicherungen, das es mir unglaublich gut stehen würde, bin ich mir dessen immer noch nicht so sicher. Bzw. eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass dies nicht der Fall ist, aber was soll man machen. Ich hatte es seit dem noch mehrmals an, was euch als Lesern die unglaublich tolle Möglichkeit bietet, mich am Ende dieses Rundbriefes in ebendiesem Gewand zu sehen, also weiterlesen lohnt sich.

Ich muss noch mal einen kleinen Einschub machen, da ich vergessen habe, von einem kircheninternen Konflikt zu berichten, der spannend zu beobachten war und dessen Zeuge wir wurden. Es handelt sich dabei um eine der größten und wichtigsten Gemeinden in Manila, die kurzer Hand von der dortigen Pfarrerin und ihrem Kirchenrat besetzt wurde, da sie mit den Grundsätzen der UCCP nicht mehr einverstanden waren, bzw. sich über diese hinweg setzten um ihre eigene, von charismatischen und sektenähnlichen Zügen geprägt Theologie zu verwirklichen. Aus diesem Grund sah sich die UCCP gezwungen die Pfarrerin ihres Amtes zu entheben und einen Vermittler in die Gemeinde zu senden, der dort als vorübergehender Pastor arbeiten würde. Uns bot sich die Möglichkeit mit diesem Moderator zu sprechen und so etwas über den Umgang der Kirche mit Konflikten zu erfahren. Natürlich ist die Situation an sich alles andere als positiv, vor allem weil die Gemeinde an sich sehr unter dem Zustand leidet. Doch es war spannend zu beobachten wie die Kirche auf eine solche Abwendung der Grundsätze reagiert.

Zurück zur Menschenrechtsarbeit. Es stand wieder einmal ein Jugendcamp auf dem Programm, bei dem wir für ganze fünf Tage mit arbeiten sollten und im Anschluss daran würden wir ein Dorf der Indigenen besuchen.

Der Weg zum Camp gestaltete sich jedoch schon schwierig. Unser Chef zu dieser Zeit war ein wirklich netter und interessierter Mann, mit einem großen Wissen über die politische Situation und vor allem vielen Verbindungen zu den verschiedensten Organisationen, die einzige Tücke war, dass er es manchmal mit den Terminen nicht ganz so schaffte wie er es geplant hatte. So saßen Robert und ich 4 Stunden an einem zwielichtigen Hafen, bis er plötzlich, gegen elf Uhr abends, wie aus dem Nichts auf uns zu hüpfte und uns freudig begrüßte. Die Reise zum Jugendcamp konnte also beginnen! Wir kamen dort mitten in der Nacht an und so starteten wir am nächsten Tag erst gegen Mittag. Für uns hieß es verschiedene Spiele anleiten, einen Vortrag über das VEM Programm halten und bei verschiedenen Sachen mithelfen, also insgesamt eine normales Tätigkeitsfeld, wäre da nicht dieser eine Nachmittag gewesen. Eigentlich war es als Schnitzeljagd angekündigt, doch anscheinend versteht die Kirchenjugend hier etwas anderes darunter, als wir in Deutschland. Wir wurden nämlich dazu eingeteilt die Kinder eine schwierige Aufgabe erfüllen zu lassen, bei der sie, so unser Leiter, „möglichst oft scheitern“. Gesagt getan. Für jedes Scheitern würden dann Liegestützen geleistet, eine wirklich merkwürdige Erfahrung, da wir uns mehr wie Bootcamp Leiter vorkamen, als wie Betreuer auf einer Kirchenfreizeit, doch überraschenderweise hatten alle mächtig Spaß und beim darauf folgendem Baden im Fluss konnte man sich dann auch den Staub wieder abwaschen. Alles in allem hatten wir dann eine Menge Spaß auf dem Camp, doch im Anschluss daran wartete ja noch etwas viel spannenderes, der Besucht bei einem der Bergvölker.

In meiner Erinnerung ist dieser Besuch vor allem mit einer menge Regen verbunden und das kam so: Wir brachen mitten in der Nacht gegen 3 Uhr morgens auf und nahmen einen Bus in die Nähe der Berge. Von dort fuhren wir auf der Pritsche eines Kippladers an den Fuß der Berge, dass war zwar nicht wirklich bequem, doch es bot sich eine schöne Aussicht über die Insel und es war ein wirklich netter Morgen. Mit uns unterwegs waren ca. 30 Freiwillige einer Gruppe aus Manila, die durch Sponsorenläufe Geld für ein Bildungsprojekt sammelten. Ein Programm, das in der Theorie gut ist, in seiner Umsetzung leider scheitert, da es mehr den Anschein einer Abenteuerfahrt in die Berge hatte, an deren Ziel Schulmaterial an Kinder geliefert wird, die keinen Zugang zu Schulen haben und auch in ihrem Dorf keine Verwendung für Plastikspielzeug haben. Aus diesem Grund könnte das Geld sicherlich sinnvoller in ein langfristiges Bildungsprogramm investiert werden, anstatt in eine einmalige Spendung von Schulmaterialien, doch stellen wir dies erst mal hinten an, da die Absicht dahinter ja wirklich eine gute war. Die ganze Fahrt wurde von einer Organisation der Kirche, die eine Art Vermittlerrolle zwischen den Indigenen und verschiedenen anderen Organisationen einnimmt und Projekte koordiniert geleitet. Aber gut, die mitgebrachten Schulsachen und Nahrungsmittel mussten ja auch verladen werden und so machten wir uns daran den Truck zu beladen.

Textfeld: Reissäcke verladenTextfeld: Unser „Lastwagen“Am Fuß der Berge angekommen, sollten wir in einen anderen Truck umsteigen, doch leider war dieser noch nicht angekommen, was uns einen dreistündigen Aufenthalt an einem Flussufer verschaffte. An sich nicht wirklich schlimm, das einzige Problem war, dass sich das Wetter in dieser Zeit rapide verschlechterte und wir so als der Truck schlussendlich kam, sicher sein konnten, dass es innerhalb der nächsten Minuten anfangen würde zu regnen. Doch zunächst folgte die abenteuerlichste Fahrt die ich je gemacht habe. Wir saßen auf dem Dach der Fahrerkabine, eines völlig verrosteten Lastwagens, der mit uns auf dem Dach und ca. 40 Menschen auf der Lastfläche durch die Landschaft brauste, quer durch Flüsse und Hügel. Ich hatte zwischendurch wirklich Angst herunter zu fallen, doch zum Glück fand ich dann ein vom Rost ins Dach gefressene Loch, in das ich meine Hand steckte um ein bisschen Halt zu finden. Dieser Halt war dann auch bitter nötig, da wir auf einmal an Bäumen vorbei fuhren, deren Äste uns beinahe vom Dach wischten.

Textfeld: Bambusbrücke über den FlussAlso man muss sagen, dass die ganze Sache auf irgendeine Weise wirklich Spaß gemacht hat, aber ich war auch froh als ich wieder auf dem Boden war. Allerdings sollte ich nicht lange auf dem Boden bleiben, da uns ein zweistündiger Fußmarsch bevorstand, der mit der Überquerung von einem Flusslauf begann. Es boten sich uns zwei alternativen, die erste hieß ab durch den Fluss und die zweite war die Bambusbrücke quer darüber. Ich habe mich dann trotz meiner leichten Höhenangst für die Brücke entschieden, weil ich nicht nass werden wollte und nach 50 schwankenden Metern war ich dann auch drüber. Dort hieß es Säcke und Kisten mit Materialien auf die Schultern und ab den Berg hoch zum Dorf. Kaum waren wir auf gebrochen setzte ein starker Regen ein und kurze Zeit später trafen wir auf einen weiteren Fluss. Diesmal ohne Brücke, naja so viel zum Thema nicht nass werden. Im Dorf angekommen verbrachten wir dann einige Zeit damit Blutegel von unseren Beinen zu entfernen, vor allem Robert hatte es böse erwischt.

Textfeld: Das Dorf der IndigenenDas Dorf bestand aus ca. 10 Hütten und die Nacht und den nächsten Vormittag verbrachten wir mit den Menschen aus dem Dorf, wobei wir hauptsächlich bei der Vorbereitung der Mahlzeiten mithalfen, da die Indigenen kein Englisch und kaum Tagalog sprachen und außerdem extrem scheu uns gegen überwaren. Trotzdem hatten wir eine interessante Zeit dort und es war spannend die Lebensweise zu beobachten. Wir gaben dann in der Nacht ein deutsches Lied zum besten, um unseren Anteil zum kulturellen Austausch zu liefern und so kamen wir doch noch in Kontakt mit den Menschen dort, was wirklich schön war. Die Nacht verbrachten wir in einer der Hütten und am nächsten Morgen wurden wir davon geweckt, dass von unten ein paar Wildschweine mit ihren Nasen gegen den Boden stießen - auch mal was neues! Leider hatten wir nur das eine Wochenende für unseren Besuch dort und so mussten wir am Nachmittag des zweiten Tages schon wieder aufbrechen. Pünktlich zum Abstieg setze der Regen wieder ein, so dass ich mich als wir unten ankamen, guten Gewissens für den Weg durch den Fluss entscheiden konnte, da ich sowie so schon komplett durchnässt war. Einen kurzen Schockmoment gab es noch, als eine der älteren der Damen, die mit uns unterwegs war, von der Strömung des angeschwollenen Flusses unter Wasser gedrückt wurde und weg trieb. Textfeld: Ein nasser Till vor schöner LandschaftGlücklicherweise standen Robert und ich genau richtig und konnten sie wieder heraus fischen. Schließlich machten wir uns auf den 12 Stunden Rückweg und kaum zu glauben, aber wahr: als wir endlich ankamen, war ich immer noch nicht ganz trocken! Dennoch war es wirklich interessant, einen kleinen Einblick in das Leben und leider auch die Probleme der Indigenen zu bekommen. Denn diese Menschen werden von vielen Seiten ausgenutzt und ihnen wird eine ihnen fremde Kultur aufgedrängt, was sie ihrer eigenen Traditionen beraubt und sie zwingt sich mit Dingen zu beschäftigen, die ihnen völlig fremd sind.

Nach dieser Aktion machte Robert sich auf den Rückweg nach Manila und mir selbst blieben noch zwei weitere Wochen mit dem Office. Am Ende meiner Zeit dort sollte es einen großen Konvoi nach Bondoc Peninsula geben, einem sehr ländlichen Gebiet, das stark von Militärisierung betroffen ist. Rund sechshundert Leute verschiedener Organisationen hatten zu gesagt an dem Konvoi teilzunehmen und so gab es eine Menge zu organisieren und zu planen.

Bei den Planungen trafen wir eine Gruppe von Gewerkschaftsführern, die mich einluden zwei Tage mit ihnen zu verbringen, um so einen Einblick in das Leben der Arbeiter zu bekommen und so bot sich mir die Chance aus erster Hand etwas über die Lebensbedingungen und die Probleme der Menschen zu erfahren, die in den Fabriken arbeiten, die europäische Firmen, wie Nestle oder Bayer dort betreiben. Es war erschrecken zu hören, wie willkürlich Arbeiter entlassen werden und wie gezielt gegen Gewerkschaften vorgegangen wird.

Im Anschluss daran machte ich mich auf den Weg nach Manila, von wo der Konvoi starten sollte und wo ich auch meinen Chef , sowie den Bischof unseres Gebietes und verschiedene andere Kirchenmitarbeiter wiedertraf. Während der zwölfstündigen Fahrt stoppten wir mehrmals vor den Stützpunkten des Militärs und es wurden jeweils Reden gehalten, in denen die Menschenrechtsverletzungen der Armee angeprangert wurde und Gerechtigkeit und Frieden für die Bevölkerung gefordert wurden. An unserem Zielort, einem kleinen Fischerdorf, das ich bereits während meiner ersten Fahrt nach Bondoc Peninsula besucht hatte, waren verschiedene Aktionen geplant. Zum einen sollte es einen kostenlosen medizinischen Check, sowie medizinische Grundversorgung geben, zum anderen war ein psychosoziales Programm für Kinder geplant, das ihnen helfen sollte mit den Erfahrungen der Militärisierung um zu gehen. Des weiteren wurden Theaterworkshops und verschiedene politische Foren angeboten. Ich selbst schloss mich der Gruppe an, die mit den Kindern arbeiten würde, da dies natürlich meiner Arbeit im Daycare Center ähnlich war.

Textfeld: Medizinische GrundversorgungWir bereiten ein Programm vor, in dem die Kinder in einer offenen Atmosphäre über ihre Erlebnisse sprechen konnten. Natürlich stand in erster Linie das Wohlbefinden der Kinder, doch natürlich war dieser Workshop auch eine gute Gelegenheit von den Kindern genauere Informationen über das Militär und dessen Vorgehen zu erfahren. Geleitet wurde unsere Gruppe von Psychologen und Erziehern, so das auch eine fachliche Kompetenz vorhanden war. Wir als Betreuer waren vor allem zur Aufsicht da, während die Gespräche mit den Kindern von den Profis geführt wurden.

Der Workshop an sich war sehr spannend, da die Kinder auf den ersten Blick nicht unter der Militarisierung zu leiden schienen, als wir sie jedoch aufforderten ein Bild ihrer Umgebung und ihres Alttages zu malen, wurde klar, wie stark sie von der Präsenz der Armee geprägt waren.

Textfeld: Ein Junge mit seinem BildAuf fast jedem der Bilder waren Menschen mit Waffen, Militärfahrzeuge und Hubschrauber zu sehen. Das Hauptquartier der Truppen wurde direkt neben die Grundschule gezeichnet, als sei es das normalste der Welt. Die Kinder, auf deren Bildern Bedrohung oder Gewalt zu sehen waren, wurden im Nachhinein in Einzelgesprächen betreut, um mit ihnen in einem sicheren und privaten Rahmen über ihre Zeichnungen zu sprechen und sie zu hinterfragen. Danach veranstalteten wir verschiedene Spiele und Gruppenaktivitäten, bei denen das Selbstbewusstsein der Kinder gestärkt werden sollte und sie über ihre Rechte aufgeklärt wurden. Diese Zeit mit den Kindern dort, war für mich sicherlich eine der interessantesten und auch erschreckensten Erfahrungen hier. Zu sehen in wie weit Kinde, die auf den ersten Blick völlig normal erscheinen von der Belastung der Militärisierung und des Kontaktes mit Gewalt, Waffen und Bedrohung geprägt werden.

Der Konvoi endete für uns damit, dass wir auf dem Rückweg alle 20 Minuten anhalten mussten und literweise Wasser in unseren Motor kippen mussten, da dieser anscheinend zum Überhitzen neigte und nicht mit den Steigungen der umliegenden Bergen klar kam. Nunja so wurde die Fahrt wenigstens nicht langweilig.

 

Textfeld: Der DemonstrationszugOkay mir wird grade bewusst, dass ich wohl weiter oben gesagt habe, dass dies die letzte Aktion mit dem Menschenrechtsoffice war, allerdings stimmt das gar nicht. Denn wie mir jetzt einfällt gab es noch den Jahrestag der hiesigen Regierung, während dem wir an einer großen Demonstration teilnahmen. Wir waren von mehreren Organisationen mit denen wir im Vorfeld in Kontakt gekommen waren, dazu eingeladen worden und so freuten wir uns schon darauf ein paar von ihnen wiederzutreffen. Wenn ich hier von wir spreche, meine ich neben mir auch noch Robert, da wir mal wieder zusammen unterwegs waren.

Textfeld: Nonnen und Priester während der DemoWir starten also früh morgens in Manila und trafen gleich auf die Gruppe der Kirchen, die sich an dem Protest gegen das Regime beteiligten. Eine bunte Mischung verschiedener Religionsgemeinschaften, die einen bunt geschmückten Wagen hinter sich herzogen. Der Protest richtete sich generell gegen die Ungerechtigkeit im Land, gegen die Verletzung von Menschenrechen, gegen Imperialismus und gegen die Wirtschaftspolitik im Land. Am Anfang der Demonstration erschien es wie eine Mischung aus Volksfest und Festival, unglaublich viele Menschen, bunte Wagen, Fahnen und Musik, allerdings sollte sich dies im Laufe des Tages leider ändern und auch die unzähligen Polizisten, standen etwas im Gegensatz zur Festivalstimmung. 

Als wir den Ort der Kundgebung erreichten, wurden etliche Reden gehalten und wir trafen eine Menge der Leute wieder, die wir während unserer Zeit mit dem Menschenrechtsbüro kennen gelernt hatten. Dann mussten wir allerdings zu einer wir allerdings zu einer weiteren Veranstaltung, weswegen wir die Demonstration vor Ende der Kundgebungen verließen. Als wir am Abend die Nachrichten anschauten, stellten wir fest, dass wir Glück gehabt hatten, denn nur wenige Minuten nach dem wir den Ort verlassen hatten, entschloss sich das Militär einen Teil der Demonstranten, die versuchten zu einem weiteren Treffpunkt zu marschierten, aufzulösen. Zu dieser Teil, gehörte auch die Gruppe der Kirchen und so schlug ihnen äußerst brutale Polizeigewalt entgegen. In diesem Zwischenfall wurden mehrere Menschen verletzt, insbesondere aus der Jugendabteilung der Kirche. In unseren jeweiligen Textfeld: PolizeiaufgebotGemeinden war dann Erleichterung zu spüren, als sie erfuhren, das Robert und ich die Veranstaltung bereits vorzeitig verlassen hatten.

 

So damit war meine Zeit dort im Menschrechtsbüro wirklich vorbei und für mich ging es zurück nach Lucena, wo schon die Vorbereitungen für die große 100 Jahrfeier auf Hochtouren liefen. Es sollte eine große Feier mit ca. 1000 Gästen werden, also hatten wir eine Menge zu tun.

Als dann der große Tag kam, war es wirklich eine riesige Feier. Unmengen Gäste, viele Reden, ein festlich geschmückter Ballsaal und eine super Stimmung. Natürlich waren auch die Gäste festlich gekleidet und so musste ich mal wieder in meinem Barong auflaufen.

Die Feierlichkeiten zogen sich dann über das ganze Wochenende und neben meinen schon vorher festgelegten Tätigkeiten, war ich vor allem mit Essen beschäftigt, da irgendwie jeder der Meinung war, ich könne noch ein wenig mehr vertragen. Zum Glück war ich nicht der einzige dem es so ging, denn als Robert zu der Veranstaltung stieß, wurde er gleich mit drei Portionen des Desserts begrüßt.

Die 100 Jahrfeier war eigentlich schon das letzte große Ereignis für mich hier, denn nun stehen nur noch verschiedene Evaluationen und Abschiedsfeiern an und dann werde ich mich bereits auf den Weg nach Manila machen, um von dort aus nach Hause zu fliegen.

 

Jetzt muss ich hier wohl noch irgendeinen Abschluss finden und ein paar generelle Dinge über das Jahr sagen, da dies schließlich mein letzter Rundbrief ist.

Also gut! Für mich war dieses Jahr eine wirklich tolle Erfahrung, die ich auf jeden Fall wiederholen würde. Ein Jahr voll mit neuen Erfahrungen, neuen Menschen, Arbeit, kleinen Erfolgen, viel Spaß, viel Sonne, sehr viel Regen, Stränden… also insgesamt einfach ein wirklich tolles Jahr. Natürlich gab es auch das ein oder andere, was einem etwas schwer im Magen lag, doch das gehört wohl dazu.

Nunja, klar habe ich nicht die Welt verändert, aber zu mindestens hatten die Menschen hier, mit denen ich zu tun hatte, denk ich auch eine Menge Spaß mit mir und das ist doch eigentlich schon eine sehr schöne Sache.

Tja wenn ihr bis hierhin gekommen seid, habt ihr 4 Rundbriefe mit mehr oder weniger wichtigen Erlebnissen aus meinem Jahr gelesen. Dafür, für das Interesse darüber hinaus, für die netten Rückmeldungen und Grüße möchte ich mich hier noch einmal bedanken.

 

Also einen letzten lieben Gruß von den Philippinen!

Macht’s gut,

Till

 

Von Januar bis April

Autor: Till | Datum: 10 August 2012, 13:00 | Kommentare deaktiviert

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HalliHallo,

 

jetzt haben wir schon fast Mai und so ist es mal wieder Zeit, die Ereignisse der letzten Monate zusammenzufassen und einen kleinen Rundbrief zu schreiben. Also viel Spaß beim Lesen von Nummer 3.

Zwar kommt es mir vor, als hätte ich den letzen Rundbrief erst vor Kurzem geschrieben, doch als ich dann noch einmal nachgeschaut habe, fiel mir auf, dass dieser bereits vor dem Zwischenseminar entstanden ist. Um die chronologische Reihenfolge beizubehalten, muss ich dann wohl mit eben diesem Seminar anfangen, dafür müssen wir allerdings einen kleinen Zeitsprung zurück in den Januar machen.

Die ganze Sache fing schon gut an, als wir am Flughafen, in Manila, fast alle anderen Freiwilligen trafen und dann mit super Laune in den Flieger stiegen. Interessant war, dass die Menschen hier nicht nur die Busse auf den Gefrierpunkt runterkühlen, sondern auch die Flugzeuge. So war es ein bisschen so als würden wir durch ein Kühlhaus wandern, komplett umgeben von weiß waberndem Nebel, der aus den Lüftungen des Flugzeuges drang. Ebenfalls ein wenig merkwürdig war, dass es während des Fluges eine Art Animationsprogramm durch die Besatzung gab, in dessen Hintergrund die ganze Zeit ABBA gespielt wurde. Der positive Effekt davon war jedoch, dass wir uns, der Kühlung zum Trotz, ein bisschen warm singen konnten.

Das Seminar fand in Davao, im Süden der Philippinen, statt und sollte 5 Tage dauern. Im Anschluss daran, wartete auf Robert und mich noch eine Woche Exposure mit der UCCP, bei der es um land-grabbing und das Verhältnis von Muslimen und Christen in Mindanao gehen sollte.

Textfeld: Unser Resort am Strand.Alles in allem war das Seminar super spannend und unglaublich anstrengend. Davon kann man aber nur einen Punkt auf das Programm zurück führen. Die beiden Leiter, des Seminars,  waren selbst für mehrere Jahre auf den Philippinen gewesen und wussten in sofern wo von sie reden und waren dabei noch sehr entspannt. Die meiste Zeit war jedoch dafür eingeplant sich mit den anderen über die Projekte und Einsatzstellen auszutauschen und alles mögliche zu diskutieren. Dem entsprechend waren die Tage voll mit interessanten Gesprächen und Nachts ging dann das Programm der etwas anderen Art los. Wir waren in einem traumhaften Ressort direkt am Meer, mit weißen Strand und Palmen untergebracht - einfach wunderschön. Nachts konnte man dann auf dem Steg ein bisschen feiern und die freien Tage genießen. Als Folge davon war ich dann keine Nacht vor halb 5 im Bett, was dann erklärt warum es auch ein wenig anstrengend war. Bedingt auch dadurch, dass es jeden Morgen um 8 Uhr mit dem Programm los ging. Trotz leichtem Schlafentzug war es einfach eine tolle Woche.

Nachdem das Seminar offiziell vorbei war und die anderen wieder weg waren, haben Robert und ich uns dann auf den Weg zurück zur UCCP gemacht um dort unseren Ausflug anzutreten. Wir hatten eigentlich erwartet, dass kein richtiges Programm geben würde und wir uns ein paar Tage entspannen und vom Seminar erholen können, aber Fehlanzeige. Kaum angekommen wurden wir in einen Bus gepackt und ins Landesinnere gekarrt.

Dort hatten wir dann verschiedene Gespräche über das Thema land-grabbing, die größten Teils sehr interessant waren, da die Menschen mit denen wir sprechen konnten, selbst direkt von diesem Thema betroffen sind. So war die Woche mit der UCCP eine sehr interessante und einprägende Erfahrung. Ich führe die Exposure hier nicht weiter aus, weil ich darüber schon einen Blogeintrag geschrieben habe und der Rundbrief schlicht und einfach zu lang werden würde, aber wer noch ein bisschen mehr lesen will, kann das hier tun: www.till.vem-freiwillige.de

Zum Schluss blieben uns dann anderthalb freie Tage in Davao, die wir dazu nutzen wollten Wakeboarden zu gehen. Haben wir dann auch getan und nachdem es uns am ersten Tag so viel Spaß gemacht hatte, beschlossen wir es am nächsten Tag, bevor wir zum Flughafen mussten, noch einmal  zu wiederholen. Das sollte sich als schwerer Fehler heraus stellen.

Textfeld: „Entspannung“ purDenn als wir später am Flughafen saßen, stellten wir fest, dass wir noch nicht einmal mehr die Arme heben konnten, so stark war der Muskelkater. Naja so hatten wir dann noch eine Woche spürbare Erinnerungen an die tolle Zeit in Davao. 

Danach ging es wieder ins Daycare Center und dort in die letzte Phase des Schuljahres. Es heißt ja, das Beste kommt zum Schluss, doch in diesem Fall traf das leider nicht wirklich zu.

Aber erst mal etwas Schönes. Die Arbeit mit den Kindern in den letzen Wochen war wirklich schön und hat super viel Spaß gemacht. Das schönste ist natürlich, dass man mittlerweile wirkliche Fortschritte sah, auch bei Kindern, bei denen ich es am Anfang nie vermutet hätte. Da machte es dann auch nichts, dass die Idee von Memori spielen, also ich hatte extra eins gebastelt, nicht verstanden wurde, wir sortierten einfach immer die Karten und versuchten zu den Nummern die richtigen Bildchen zu finden. Aber da alle dabei Spaß hatten, ist das schon okay. Nach einigem Ausprobieren bin ich dann darauf gekommen, dass die Kinder am besten mitmachen, wenn man die ganze Sache versucht auf ihren Alltag zurecht zu biegen. Will heißen, dass wir dann Zahlen lernen indem wir Eier in ein Hühnernest an der Tafel malen. (Funktionier nur, wenn das Huhn neben dem Nest auch als solches zu erkennen ist, wenn’s hässlich geworden ist, bekomm ich Ärger von den Kindern) Nachdem ich eine der anderen Zeichnungen soweit erklärt hatte, dass es als Mensch beim Kokosnuss pflücken erkennbar war, hat es dann sogar mit Subtraktion geklappt. Also alles in allem echt gut.

Die kleineren Kinder, die noch zu jung für Mathe sind, malten dann einfach Bilder von ihren Familien und versuchten dann beim Malen mir Quer durch die Klasse Geschichten zu erzählen, verstand ich zwar meistens weder akustisch, noch übersetzungstechnisch, aber es war super lustig ihnen beim aufgeregten Gestikulieren zu zugucken und daraus kann man dann ja auch ein paar Sachen schließen.

Leider blieb es dann nicht so gut, was daran lag, dass die Zeit kam, in der sich die Kinder in der Grundschule bewerben müssen.

Wir hatten von den ca. zwölf Kinder, die alt genug für die erste Klasse waren, ungefähr neun, die vermutlich den Test in der Schule bestehen könnten. Bei vier von den Kindern, haben die Eltern allerdings beschlossen, ihre Kinder erst gar nicht in der Schule anzumelden. Warum das so ist, weiß keiner so wirklich. Vermutlich ist es eine Mischung aus wirtschaftlichen Gründen, wie z.B. die Tatsache, dass die Kinder dann nicht mehr arbeiten können, mangelnder Aufklärung über die Bedeutung von Bildung und purem Desinteresse. Leider hilft in manchen Fällen noch  nicht einmal der Zuspruch, bzw. die Aufforderungen der Lehrerin. Manchmal würde ich die Kinder am liebsten packen, alle in einen Bollerwagen stecken und zur Schule karren, um sie da persönlich anzumelden, aber das geht natürlich eher schlecht.

Naja man sieht auf jeden Fall, das die Aufklärung der Eltern mindestens genauso wichtig ist, wie das Unterrichten und Vorbereiten der Kinder.

Doch auch wenn dieser Zustand mir negativ im Gedächtnis blieb, hatten wir am Ende eine wirklich schöne Abschlussfeier mit den Kindern, bei der jedes, in einer kleinen Zeremonie, ein Zeugnis bekam und insgesamt kann ich auf eine tolle Zeit mit den Kindern zurückblicken.

Da die Kinder nach der Abschlussfeier ihre Sommerferien antraten, beschloss auch ich erst einmal eine Woche Urlaub zu machen. Also ging es erst mal in den nördlichen Teil der Philippinen um dort die 100 Islands, eine Reihe kleiner Inseln mit tollen Stränden, zu besuchen. Auf dem Weg dahin machen wir, also eine andere Freiwillige und ich, noch Station in Olongapo, wo diverse Weltwärtsfreiwillige ihre Einsatzstellen haben und verbrachten einen netten Abend in der Stadt. Dann ging es ab zu den Inseln, wo wir am Strand einer winzigen Insel übernachteten. Leider hatten wir vergessen, etwas zu Essen zu besorgen, aber man kommt auch zwei Tage gut ohne Essen aus, wie wir dann festgestellt haben. Nach dem Kurztrip in den Norden ging es auf ein wirklich tolles Festival auf Mindoro, zusammen mit Robert und ein paar anderen Freunden. Erschreckenderweise war die Woche blitzschnell um und kaum war ich wieder in Lucena Textfeld: Malasimbo Festivalangekommen, machte ich mich auf den Weg nach Bondoc Peninsula, einem sehr ländlichen Gebiet in meinem Einsatzgebiet.

Zehn Tage sollten wir durch die Gegend reisen und uns die verschiedenen Daycare Zentren angucken und deren Abschlussfeiern beiwohnen. Diese Zeremonien waren zwar ganz nett, allerdings nicht wirklich spannend, viel aufregender war es da, einfach mit den Menschen der Region zu sprechen. Über ihre Einschätzung der politischen und wirtschaftlichen Lage, über ihr normales Leben und ihre Probleme. Besonders gut war es, dass wir keine besondere Besucherrolle einnahmen, sondern einfach bei den Gemeindemitgliedern wohnten, das hieß dann, auf dem bloßen Boden zu schlafen, sich im Fluss zu waschen und ohne Strom und Handysignal zu überleben. Nunja vielleicht muss ich das mit dem Handysignal einschränken, denn manchmal gab es die Chance auf einen besondern hohen Baum zu klettern, oder sich im genau richtigen Winkel gegen einen Felsen zu lehnen, um ein kurzes Telefonat zu führen.

Doch das war alles kein großes Problem, das einzige, was mich wirklich gestört hat, war die Tatsache, dass ich eines Morgens aufwachte, weil mir etwas in den Kopf stach. Ein verschlafenes Schlagen mit dem Arm bewirkte dann, dass der Verursacher des Stechens (ein Huhn, das auf meinem Kopf stand) laut gackernd durch den Raum flog und ich mich halb zu Tode erschreckte – auch eine Art geweckt zu werden.

Zusätzlich zu den Besuchen im Daycare Center gab es jedoch auch andere Programmpunkte, die sehr interessant waren. So wohnten wir der Bohrung einer Wasserquelle bei, eine wirklich spannende Angelegenheit. Da der Ort mit schweren Maschinen nicht erreicht werden kann, musste von Handgebohrt werden. Als erstes wurde ein hoher Dreifuss aus Bambusstämmen errichtet, der als Bohrturm dienen sollte und an dem dann Gestänge befestigt wurde, welches von Hand, nur mit Hilfe des Schwunges vom „Bohrturm“ in den Boden getrieben wurde. Für alle Beteiligten eine sehr anstrengende Arbeit, die sich dann auch über drei Tage hinzog.

Textfeld: Das Dorf  kommt am Bohrturm zusammenMan darf jedoch nicht den Fehler machen und denken, dass alle Menschen, die den Bohrungen beiwohnten auch irgendwie daran beteiligt waren, denn nach kurzer Zeit hatte sich das halbe Dorf versammelt um zu zugucken. So wurden die Arbeiter konstant mit mehr oder weniger hilfreichen Tipps aus den Reihen der Zuschauer versorgt und jede Bewegung wurde kritisch beäugt. Es herrschte allerdings eine sehr ausgelassene Stimmung, die schon fast an eine Art Fest erinnerte und zu einem solchen sollte die Aktion dann am Abend auch werden.

Irgendjemand spendete eine Ziege, die dann ruckzuck neben dem Turm geschlachtet und zubereitet wurde und dass ganze Dorf kam zusammen. Wenn ich von ganzen Dorf spreche, dann handelt es sich übrigens um ca. 40 Menschen, also nicht übermäßig viele. Nunja auf jeden Fall war die Feier im vollen Gange und wurde untermalt von einer lauten und furchtbar scheppernden Anlage, die nur noch vom Rattern des Generators übertönt wurde, der eben diese antrieb, super Stimmung eben. Ich glaube das einzige, was meine Gastgeber ein bisschen enttäuschte, war dass ich, als sie mir die frisch heraus geschnittene und geröstete Leber anboten, nicht anfing mich zu ekeln, sondern sie kommentarlos aß, genau so wie die Suppe aus Ziegenbeinen – tut mir Leid, aber da gab es schon schlimmeres J

Nach dem der Brunnen dann schließlich gebohrt und alle Zentren besucht waren ging es schlussendlich wieder zurück nach Lucena.

Die nächsten Wochen waren dann weniger interessant, oder besser gesagt gefüllt mit Alltäglichem und davon muss ich ja jetzt nicht berichten, da das ja schon bekannt ist.

Also gibt es einen kleinen Zeitsprung in den April, zum dritten um genau zu sein, da passierten nämlich gleich zwei ungewöhnliche Sachen an einem Tag.

Zum einen waren wir auf dem Dach eines Hochhauses in Manila zum Essen eingeladen und hatten so nach langer Zeit mal wieder die Chance „richtiges“ Brot und Käse zu essen und zum anderen kam mein Vater zu Besuch und brachte auch Brot und Käse mit.

Textfeld: Strand in PalawanDa Punkt eins eher kompliziert zu erklären ist, belassen wir es einfach mal dabei, dass wir hier nette, aber leicht verschrobene Menschen kennen, die uns gelegentlich zum Essen einladen. Wichtiger ist auch Punkt zwei, der sich natürlich nicht nur auf Brot und Käse beschränkt, also wird der jetzt weiter ausgeführt. Wie man sich sicherlich vorstellen kann, habe ich mich schon länger auf den Besuch gefreut und so war es dann auch super schon als mein Vater dann wirklich ankam. Zeit zum Entspannen nach dem langen Flug gab es allerdings nicht, sondern es ging mehr oder weniger direkt weiter. Dann hieß es für ihn erst einmal drei Tage lang meine verschiedenen Einsatzbereiche anzugucken und all die Menschen zu treffen mit denen ich normalerweise zu tun habe. Dann machten wir uns auf den Weg nach Palawan um mal eine Woche wirklich zu entspannen. Da ich den Rundbrief ja nicht als Postkarte missbrauchen will, nur so viel: Es war super schön und sehr entspannt.

Textfeld: Teilzeitfreiwilliger Jan und Vollzeitfreiwilliger Robert bei der ErnteNach dieser kurzen Pause ging es dann wieder zurück an die Arbeit, da mein Vater ja noch da war, integrierten wir ihn kurzfristig ins Freiwilligenprogramm. Auf dem Plan stand eine Exposure in den Norden der Philippinen, um uns dort mit der Situation der indigenen Bergvölker auseinander zu setzten. Als erstes ging es in ein Dorf auf ca. 2200 Meter Höhe, in dem die Bevölkerung vor allem durch den Anbau von Gemüse lebt. Durch das gemäßigte Klima in dieser Höhe, lassen sich hier Pflanzen anbauen, die sonst nicht auf den Philippinen gedeihen würden, was den Bauern theoretisch einen großen Absatzmarkt sichert. Der Profit wird jedoch stark von Zwischenhändlern beeinträchtigt und auch billige Importware aus China, macht den Bauern das Leben schwer. Zusätzlich zu Diskussionen über diese Probleme, konnten wir auch an dem normalen Alltag der Bewohner teilnehmen und so hieß es einen Tag lang: „Ab auf das Feld zur Kartoffelernte“. Eine lustige, wenn auch in der prallen Sonne ziemlich anstrengende Arbeit.

Des weiteren hatten wir die Chance mit den Bewohnern und unserem politisch super informierten Begleiter über Themen wie Mining und land-grabbing in den Cordilleren (das Gebirge in dem wir uns befanden) zu sprechen. Dabei stellte sich heraus, dass die Menschen dieser Region einen ersten Erfolg, im Hinblick auf die Intervention ausländischer Firmen, errungen hatten. Nach einem jahrelangen Prozess vor Gericht und einer gleichzeitigen Blockade der Zugangsstraßen, war es gelungen den Vormarsch der Erkundungstrupps der Mining Companies zu unterbinden. Ein positiver Anfang, obwohl die Investoren, gemeinsam mit verschiedenen Unterstützern aus Politik und Wirtschaft, direkt in Revision gingen. Insgesamt war es jedoch schön und interessant zu sehen, wie beinahe die gesamte Region in diesem Konflikt zusammen steht. Selbst die lokale Polizei und das Militär beteiligen sich, wenn auch passiv, an den Protesten, in dem sie den falschen, von den Investoren gestreuten Berichten, Anklagen oder Gerüchten über angebliche terroristische Aktivitäten, nicht nach gehen. Bevor ich mich jetzt in dem Thema verliere gehe ich mal besser weiter in der Geschichte, über das Thema erzähl ich dann bei Gelegenheit noch mal.

Textfeld: Von alt...Textfeld: Von alt…Ach halt. Ups, jetzt hätte ich beinahe noch die beste Aktion im Dorf vergessen. Wir würden nämlich gefragt, ob wir nicht mit den Kindern, die grade an einer Art „Ferienschule“ teilnahmen, etwas kreatives gestalten könnten. Nachdem wir ein bisschen gesungen und uns bewegt hatten, hatte Robert dann die absolut geniale Idee, mit den Kindern etwas aus Müll zu basteln. Also sammelten alle bunte Plastikverpackungen aus der Umgebung ein und es wurde munter drauflos geschnipselt. Kurze Zeit später war das ganze Dorf, quer durch alle Generationen involviert und am Ende des Tages war eine Große Blume aus bunten Plastikfetzen entstanden, auf die wir alle super stolz waren, eine wirklich tolle Aktion zum Abschluss, denn am nächsten Tag verließen wir das Dorf bereits wieder.

Textfeld: … zu neu. 

Es ging weiter zum einem der Dörfer im Tal. Hier gestaltet sich die Situation ein bisschen anders als auf dem Berg, was vor allem daran liegt, dass es nicht möglich ist, sich seinen Lebensunterhalt durch den Anbau von Gemüse zu verdienen. Bedingt dadurch, dass die Wege, die zu Straße führen, so steil sind, dass es nicht möglich ist größere Lasten darauf zu transportieren, geschweige denn sie mit Fahrzeugen zu befahren. Aus diesem Grunde gibt es, speziell unter den jüngeren Bewohnern eine große Landflucht. Wer bleibt, versucht sich seinen Lebensunterhalt mit Goldwaschen im Fluss zu verdienen. Doch wo vor Jahren noch größere Goldstücke zu finden waren, findet man heute lediglich Goldpartikel im Sand. Diese Situation ist ebenfalls bedingt, durch die großen Mining Firmen, die mit Zyanid das Gold von den Steinen trennen und ihre chemischen Abfälle im Fluss entsorgen. So löst das Zyanid das Gold im Fluss auf und zurück bleibt glitzernder Sand. So ist es deutlich schwieriger geworden genug Gold zum überleben zu finden und auch die Zwischenhändler, die die Situation der Bevölkerung ausnutzen und den Ankaufspreis schamlos drücken, tragen ihren Teil dazu bei. Es bietet sich eine noch mal viel schwierigere Situation, als auf dem Berg, und dass ob wohl die beiden Dörfer nur wenige Kilometer auseinander liegen.

 

Zum Ende unserer Exposure hin wartete ein weiteres Highlight auf uns, der Cordillera Day. Ein Tag (um genau zu sein mehrere Tage) an dem die verschiedenen Menschenrechtsorganisationen, Solidaritätsgruppen, Kirchen und sonstige Zusammenschlüsse, für die Selbstbestimmung der Indigenen Völker und die Bewahrung der Umwelt protestieren. Wir sollten der Aktion am Mount Pulag, dem zweit höchsten Berg der Philippinen, beiwohnen. Die ganze Sache fing wirklich gut an, da wir auf der Ladefläche eines kleinen Pickups durch die Berge fuhren und sich uns eine wirklich tolle Aussicht bot. Allerdings, konnte man auch die Eingriffe der Regierung in die Landschaft sehen, wie zum Beispiel einen riesigen, mehrere Quadratkilometer großen und unglaublich tiefen Stausee.

Am Mount Pulag angekommen, offenbarte sich uns, dass wir wohl in der Nacht mit Regen zu rechnen hatten, an sich kein Problem, da uns versprochen worden war, dass es auf jeden Fall ein Zelt für uns geben würde. Also machten wir uns an den Aufstieg. Der Plan war es, am Nachmittag das Camp auf ca. 2500 Meter Höhe zu errichten und dann am nächsten Morgen gegen drei, zum Gipfel hoch zu klettern um dort bei Sonnenaufgang verschiedene Kundgebungen zu hören.

Kaum hatten wir mit dem Klettern, oder sagen wir lieber, Wandern begonnen, fing es tierisch an zu Regnen, was den Spaßfaktor ein wenig senkte, die ganze Sache aber lustig aussehen ließ, da nun ca. 150, in bunte Plastiktüten gekleidete Menschen versuchten den Berg zu besteigen.

Textfeld: Kundgebung auf dem GipfelKaum hatten wir den Platz unseres Camps erreicht, wurde uns schlagartig bewusst, dass wir eindeutig viel zu dünn angezogen waren, allerdings muss ich gestehen, dass man durchaus auf die Idee hätte kommen können, dass es in solchen Höhen nicht die normalen 30 Grad hat.

Bitter, aber kann man nicht ändern. Nein, es wurde sogar noch besser, denn es stellte sich heraus, dass sich die Definition von Zelt, die wir im Kopf hatten anscheinend von der philippinischen Definition unterschied. Also verbrachten wir die Nacht unter eine Plastikfolie, die über einen Stock gelegt wurde, insgesamt habe ich dann glaub ich zwei Stunden geschlafen, die anderen vier hatte ich damit zu tun nicht zu erfrieren. Nunja so schlimm was es dann auch nicht, aber es war schon sehr, sehr kalt. Der Abend hatte allerdings auch noch eine schöne Seite, denn bevor der Wind und der Regen die Teilnehmer entgültig in ihre Zelte (bzw. unter ihre Planen) trieben, gab es noch eine nette Zusammenkunft, in der verschiedenen Darbietungen präsentiert wurden. Dabei durfte natürlich auch eine Nummer der deutschen Gäste nicht fehlen und sangen wir tapfer ein zum Thema passendes Lied.

Am nächsten Morgen, stellte sich heraus, dass sich das Frieren in der Nacht gelohnt hatte, denn der Sonnenaufgang auf dem Gipfel (knapp 3000m) war wirklich sehr schön, insbesondere, weil wir über den Wolken standen und das Licht sich so auf der Wolkendecke brach.

Textfeld: SonnenaufgangNach ein paar Kundgebungen, einer Andacht und verschiedenen Solidaritätsbekundungen, auch einer von uns, machten wir uns schon wieder an den Abstieg.

Damit war unsere Zeit im Norden auch schon um und rückblickend war es wirklich eine sehr interessante Erfahrung.

Mit dem Ende dieser Aktion, ging auch die Zeit mit meinem Vater vorbei, denn nachdem wir zurück in Manila waren, hieß es Abschied nehmen. Für uns beide ging es wieder in den Alltag zurück, nur das mein Alltag ein bisschen näher dran ist.

Naja jetzt bin ich wieder in Lucena, sitze seit zwei Stunden dem Bericht hier, schwitze mich halb tot, weil es ca. 38 Grad im Raum sind, kann aber auch nicht rausgehen, weil da der Boden zu heiß ist und ich nicht weiß wo meine Schuhe sind. Eine ziemlich verzwickte Situation, aber auf so was soll man ja als Freiwilliger gefasst sein, also werde ich jetzt mal Schluss machen und versuchen einen kreativen Lösungsweg zu finden. Ich denke wir hören wieder Ende Juli von einander,

bis dahin  

 Till

 

Lang lang ist es her...

Autor: Till | Datum: 10 August 2012, 12:57 | Kommentare deaktiviert

So falls es noch jemanden geben sollte der meinen Blog verfolgen sollte, möchte ich mich bei diesem jemanden entschuldigen, dass ich seit fast einem halben Jahr nicht mehr geschrieben habe. Ich habe mich jetzt entschlossen die Sache hier zu einem guten Ende zu bringen und deswegen werde ich als übersicht über die letzten Monate einfach die beiden letzten Rundbriefe hochladen. Dann ist das hier vollständig und man kann eine schöne Übersicht bekommen ;)

schönen Gruß Till

 

land-grabbing & mining

Autor: Till | Datum: 21 Februar 2012, 11:03 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21

Ein strahlend blauer Himmel, ein kühler Luftzug und ein von der Sonne verbrannter Farmer begrüßen uns, als wir aus dem Van steigen. Hinter uns liegen ca. zwei Stunden Fahrt über eine staubige Straße, mitten durch grüne Felder und Palmenhaine und wenn man sich jetzt umschaut erblickt man vor allem Reisfelder, ab und zu eine kleine Hütte und den Horizont bildet eine Hügelkette, an deren Hängen sich die Felder hochziehen.

Wenige Minuten später sitzen wir unter einem Dach aus Palmenblättern, auf Bambusstreben, vor uns eine dampfende Schüssel Reis und ein riesiger Fisch. Alles in allem ein idyllischer und schöner Tag. Doch das bleibt natürlich nicht so, denn das Thema, das uns hergeführt hat, heißt land-grabbing bzw. mining und nach dem Essen verfliegt die gute Laune schnell.

„Spätestens in ein paar Jahren werde ich nicht mehr hier leben können,“ berichtet uns unser Gastgeber, „vermutlich sind es eher Monate.“ Wir befinden uns in South Cotabato, einer Region in Mindanao, der südlichsten, der drei Hauptinseln, der Philippinen und zwar in einem Gebiet, von dem bereits große Teile an einen Ausländischen Investor verkauft sind. Die Theorie hinter diesem Vorgang ist leicht beschrieben, wobei man anstatt Theorie vielleicht lieber von einem Deckmantel für rein kapitalistische Interessen sprechen sollte.

Land-grabbing beschreibt das Kaufen, oder Mieten einer Fläche in einem anderen Land, im Austausch dafür, fließt natürlich Geld, zusätzlich werden aber auch Aussichten auf Dinge, wie die Verbesserung der Infrastruktur, oder der Technologie im „Gastland“ geweckt. Auf den Philippinen werden riesige Flächen Land an ausländische Investoren verpachtet, die Vertragsdauer kann sich auf bis zu 25 Jahre erstrecken und im Anschluss um weitere 25 verlängert werden. Außerdem ist es ausländischen Firmen möglich mehr als 4mal soviel Land zupachten wie philippinische Firmen und dies ohne philippinische Beteiligung und mit 100% Rückführung des Gewinns, dies und Annehmlichkeiten, wie Subventionen, Steuerfreiheiten und die Unterstützung der Regierung, sichert ihnen ein Gesetz aus dem Jahre 1995 zu, der sogenannte Mining Act.

Was dies jedoch für die lokale Bevölkerung bedeutet, wie ihre Zukunft aussieht und mit was für Mitteln, die Regierung, die Polizei und auch das Militär diese Pläne für die Konzerne durchsetzen, dass alles berichtet uns der Farmer bei dem wir zu Gast sind.

Er erklärt uns, dass große Teile der umliegenden Felder bereits an einen chinesischen Investor verkauft wurden. Die Entscheidung, die Fläche zu verkaufen, ging nicht von den Farmern selbst aus, sondern wurde von der Regierung zusammen mit einem Großgrundbesitzer der Region gefällt. Dazu muss man wissen, dass die Besitzsituation sehr schwierig ist, da nur ein Bruchteil der Farmer sein Land selbst besitzt, die anderen bewirtschaften es zwar selbstständig, müssen allerdings Abgaben zahlen, bzw. eine normale Pacht, die jedoch meist für einen kurzen Zeitraum ausgelegt ist. Der Wechsel des Besitzers bedeutet jedoch nicht nur, dass nun eine andere Person die Pacht erhält, nein er ist viel gravierender.

Vorher halbwegs autonome Farmer, werden die Menschen, wenn sie ihr Land nicht verlassen wollen, nun in Land- bzw. Plantagenarbeiter umgewandelt, will heißen, sie haben auf den Plantagen der Investoren zu arbeiten und deren Produkte anzubauen, bei einem Tageslohn von ca. 150 Pesos (beim momentanen Kurs, ein bisschen weniger als drei Euro). Zusätzlich leiden sie unter den Pestiziden, die bei der Produktion eingesetzt werden und nicht nur die Arbeiter, sondern auch den Boden nachhaltig schädigen.

Schlimmer als dies ist jedoch noch die Tatsache, dass sich auch die angebauten Produkte verändern, wo früher Reis, für die Ernährung der lokalen Bevölkerung angebaut wird, werden nun Bananen, Ananas oder Kokosnüsse für den Export gezüchtet.

Die Philippinen sind schon lange nicht mehr in der Lage sich allein selbst zu versorgen, weswegen billiger Reis aus dem Ausland importiert werden muss. Die Ernährung der Bevölkerung ist, bei einem rasanten Populationswachstum, was es offensichtlich gibt, gefährdet.

Es wird also eine imperialistische Ausbeutung des Landes betrieben, wenn man von einem modernen Imperialismus sprechen möchte, ist das einzig moderne vermutlich, dass Arbeiter nicht mehr in Ketten arbeiten müssen.

Das erschreckendste an dieser Sache ist, dass dieser ganze Vorgang von der Regierung gestützt und gefördert wird.

Unser Gastgeber ist einer der wenigen Farmer, die ihr Land wirklich selbst besitzen, doch auch er hat kaum Hoffnung. „Wenn ich ihnen das Land nicht überlasse, wird das Militär mich und meine Familie vertreiben.“ Vertreibung ist in diesem Fall vermutlich noch das harmloseste, zu oft wurden Bauern, die sich zum Widerstand formierten kaltblütig ermordet, als das es einen Zweifel an der Skrupellosigkeit der Verantwortlichen geben könnte.

Die Einschüchterung der Bevölkerung folgt immer dem gleichen Muster.

Zuerst wird die Militärpräsents in der Region erhört. Truppen werden in Rathäusern, Schulen oder Gesundheitszentren einquartiert. Darauf folgt die Kontrolle der Bevölkerung um Widerstände auszumachen, in diesem Fall wurden die Anwohner gezwungen eine Art Bürgerwehr aufzustellen, um das Land vor Übergriffen durch die NPA oder ähnlichen Gruppen zu schützen. Einmal pro Woche muss jeder Bürger Nachts eine Stunde Wache schieben, um das zu beschützen, was ihm den Lebensunterhalt nehmen wird.

Auf diese Art wird ein solcher Druck erzeugt, dass es kaum möglich ist einen Widerstand zu formieren und dennoch haben sich ein paar Farmer zusammengeschlossen, zu denen auch unser Gastgeber gehört, die sich widersetzen wollen. In welchem Maße das passieren wird, wird jedoch nicht offen ausgesprochen. Die Begegnung und der Bericht war sehr beieindruckend und stand im krassen Gegensatz, zu dem was wir erlebten, als wir am Abend des Tages, am Fuße der Berge mit den Anwohnern über die Bedrohung durch den Bergbau sprachen. Der Bergbau ist, anders als das land-grabbing in der Landwirtschaft, deutlich sichtbar. Auf den Feldern werden die grünen Reishalme zu Maispflanzen oder Zuckerrohr, beim Bergbau werden bewaldete Hänge zu schlammigen Kratern, wie Narben in der Landschaft.

Die Philippinen haben große Ressourcenvorkommen, darunter Gold und Kupfer, um diese zu fördern werden jedoch keine Löcher in der Berge gegraben, wie man es sich beim Bergbau vorstellt. Nein, es wird einfach der ganze Berg abgetragen. Auf diese Weise wird die Landschaft unwiderruflich entstellt, Flüsse werden von rotem Schlamm verstopft und ganze Dörfer vertrieben.

Kommen die Investoren in den landwirtschaftlichen Sektoren hauptsächlich aus Asien und den Emiraten, sind im Bezug auf den Bergbau vor allem australische und kanadische Konzerne aktiv, doch auch deutsche Unternehmen investieren in beide Felder.

Als wir mit den Bewohnern eines der in Zukunft von einem ebensolchen von Openpit Mining betroffenen Gebiet sprachen, wurde deutlich, wie wenig Informationsfluss es zwischen der Regierung und der Bevölkerung gibt. Nur wenige wussten überhaupt von den bevorstehenden Veränderungen und von den Folgen und die meisten beschäftigten sich nicht mit diesem Thema.

Sie haben sich damit abgefunden, dass die Regierung auf ihr Leben Einfluss nimmt und dass sie es nicht kontrollieren können, für sie ist die Taktik damit umzugehen Anpassung und nicht Widerstand und niemand kann sie dafür verurteilen. Auch wenn die Arbeiten starten wollten sie bleiben, es gebe bestimmt Arbeit, entweder in der Mine, oder beim beseitigen der Rückstände. Eine andere Möglichkeit sieht kaum einer von ihnen. Dies wird besonders im Gespräch mit der Jugend deutlich, in der Schule ist dies kein Thema und keiner weiß etwas darauf zu sagen, wie er zu dem Problem steht.

Am Ende des Tages stehen sich die zwei Wege gegenüber, zum einen die Menschen die sich mit ihr Situation abgefunden haben und sich nicht wehren können und zum anderen der Farmer, der seine Existenz und vielleicht sein Leben für sein Recht auf Freiheit aufs Spiel setzen würde. Es steht meiner Meinung niemandem zu über den einen oder anderen Weg zu urteilen, das einzige, worüber es ein klares Urteil gibt, ist das politische und wirtschaftliche System dieser Welt. In dem Menschen die systematische Zerstörung ihrer Heimat, die Gefährdung ihrer Gesundheit und Vernichtung ihrer Lebensgrundlage in Kauf nehmen müssen, alles für die Wirtschaftlichen Interessen von multinationalen Konzernen und kapitalistischen Motive der Verantwortlichen. Hoch lebe die Globalisierung.

 

Das Beste kommt zum Schluss - oh doch nicht.

Autor: Till | Datum: 18 Februar 2012, 16:37 | Kommentare deaktiviert

Normal 0 21

Das Beste kommt zum Schluss heißt es, aber das ist leider nicht ganz wahr habe ich festgestellt. Nächste Woche Montag bricht die vorerst letzte Woche in meinem jetzigen Daycare Center an und aus dem Grund gibt es noch mal so etwas wie einen kleinen Abschlussbericht.

Mittlerweile hab ich auch noch ein bisschen mehr über die Besitzverhältnisse im Bezug auf das Land heraus gefunden, also beginnen wir noch einmal mit einer kleinen Inforunde:

Wie bereits erwähnt liegt das Center in Danlagan, was wiederum ein Teil von Padro Burgos, Quezon Province ist und die ganze Sache liegt ca. 50 km von Lucena entfernt.

Das Center an sich besteht komplett geflochtenen Palmenblättern bzw. Bambusstreben, es gibt weder Strom noch Wasser und der Innenraum besteht aus einer Holzplatte, die auf 4 Bambusklötzen steht und als Tisch dient, sowie einer kleinen Tafel.

Angemeldet sind 22 Kinder, wobei das Maximum eigentlich bei 20 liegt, aus 11 verschiedenen Familien. Diese Familien leben, zusammen mit 8 anderen Familien, die keine Kinder im Center haben, auf einer 22 Hektar großen Fläche. Im Schnitt besteht eine Familie aus sechs Leuten und als momentaner Mathelehrer kann ich einfach mal behaupten, dass das dann 114 Menschen macht. Ein Großteil dieser Leute kommt ursprünglich aus den Visayas, einer Inselkette, die südlich von Luzon liegt.

Den Grund des Umzuges hab ich ja glaub ich schon erläutert und da es ja langweilig für alle Beteiligten ist, wenn ich alles doppelt erzähle machen wir erst mal weiter.

Auf jeden Fall bestellen diese Familien jetzt, eben diese 22 Hektar Land, die ihnen natürlich nicht selbst gehören. Nein es ist viel mehr, wie im Mittelalter, dass sie dem Landbesitzer 20% aller erwirtschaften Güter abgeben müssen. Dieser „Lehnsherr“ macht aber im Gegenzug keinen Finger krumm, um die Verhältnisse dort zu verbessern. Hoch lebe der Feudalismus!

Ich könnte mich jetzt noch ein bisschen über das System auslassen, aber ich glaube das spare ich mir für den nächsten Bericht, über Mining und Landgrabbing auf ;)

Also erst mal was schönes. Die Arbeit mit den Kindern in den letzen Wochen war wirklich schön und hat super viel Spaß gemacht. Das schönste ist natürlich, dass man mittlerweile wirkliche Fortschritte sieht, auch bei Kindern, bei denen ich es am Anfang nie vermutet hätte. Da machte es dann auch nichts, dass die Idee von Memori spielen, also ich hatte extra eins gebastelt, nicht verstanden wurde, wir sortieren jetzt einfach immer die Karten und versuchen zu den Nummern die richtigen Bildchen zu finden. Aber da alle dabei Spaß haben, ist das schon okay. Nach einigem Ausprobieren bin ich dann darauf gekommen, dass die Kinder am besten mitmachen, wenn man die ganze Sache versucht auf ihren Alltag zurecht zu biegen. Will heißen, dass wir dann Zahlen lernen indem wir Eier in ein Hühnernest an der Tafel malen. (Funktionier nur, wenn das Huhn neben dem Nest auch als solches zu erkennen ist, wenn’s hässlich geworden ist, bekomm ich Ärger von den Kids) Nachdem ich eine der anderen Zeichnungen soweit erklärt hatte, dass es als Mensch beim Kokosnuss pflücken erkennbar war, hat es dann sogar mit Subtraktion geklappt. Also alles in allem echt gut. Die kleinen Kinder, die noch viel zu jung für Mathe und den Kram sind, malen dann einfach Bilder von ihren Familien und versuchen dann beim Malen mir Quer durch die Klasse Geschichten zu erzählen, versteh ich zwar meistens weder akustisch, noch übersetzungstechnisch, aber es ist super lustig ihnen beim aufgeregten Gestikulieren zu zugucken und daraus kann man dann auch ein paar Sachen schließen.

Nunja dem entsprechend ging es mir die letzen Wochen ziemlich gut, so dass ich auch den Bibelkreis am Nachmittag ertragen konnte, absolutes Topthema der letzten Woche: Wer ist eigentlich cooler, Jesus oder Jose Rizal?

Leider blieb es dann nicht so gut, was daran lag, dass die Zeit kam, in der sich die Kinder in der Grundschule bewerben müssen. Also eigentlich müssen sie sich nur einschreiben mit ihren Eltern, aber da die Lehrer hier der Meinung sind, dass ein Kind das schlecht lernt ein negatives Licht auf sie werfen würde, sind sie nicht bereit Kinder zu akzeptieren, die noch nicht das Alphabet bzw. zählen können. Das muss man sich mal vorstellen, den Kindern wird auf Grund eines Elternhauses in dem nicht von selbst unterrichtet wird, bereits vor Beginn ihrer Schulzeit das Recht auf Bildung abgesprochen, weil die Lehrer nicht bereit sind sich mit komplizierten Fällen zu beschäftigen. Da fragt man sich natürlich, wie ein solches Kind überhaupt jemals aus dem Kreislauf der Armut ausbrechen soll. Da bekomme ich natürlich richtig das Kotzen, sorry aber muss gesagt werden ;)

Naja das war Punkt 1 an dem ich ein bisschen an die Decke gehe, was jetzt kommt finde ich jedoch genauso schlimm.

Wir haben ja von den ca. zwölf Kinder, die alt genug für die erste Klasse sind, ungefähr neun, die vermutlich den Test in der Schule bestehen könnten. Bei vier von den Kindern, haben die Eltern allerdings beschlossen, ihre Kinder erst gar nicht in der Schule anzumelden. Warum das so ist, weiß keiner so wirklich. Vermutlich ist es eine Mischung aus wirtschaftlichen Gründen, wie z.B. die Tatsache, dass die Kinder dann nicht mehr arbeiten können, mangelnder Aufklärung über die Bedeutung von Bildung und purem Desinteresse. Leider hilft in manchen Fällen noch  nicht einmal der Zuspruch, bzw. die Aufforderungen der Lehrerin. Manchmal würde ich die Kinder am liebsten packen, alle innen Bollerwagen stecken und zur Schule karren um die da persönlich anzumelden, aber das geht natürlich eher schlecht.

Naja man sieht auf jeden Fall, das die Aufklärung der Eltern mindestens genauso wichtig ist, wie das unterrichten und vorbereiten der Kinder.

So ich muss jetzt mal zum Ende kommen, weil ich direkt den nächsten Bericht auch noch schreiben will, wenn ich mich das aufgerafft habe und die Zeit da ist.

Aber ich will nicht so negativ aufhören, darum noch was Schönes zum Ende.

Anfang März geht es für zwei Wochen nach Bonduc Peninsula, also mitten ins Nichts, zu den anderen Daycare Centers und da kann ich dann bei allen Abschlussfeiern der Kindern mitmachen und Ende März haben dann auch „meine“ Kids ihren Abschluss und da bin ich dann natürlich auch dabei und ich denke mal das wird eine schöne Aktion.

So bis denne!

 

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