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Oktoberfest und Büffelreiten

Autor: Till | Datum: 27 September 2011, 06:28 | Kommentare deaktiviert

Jetzt ist der erste Monat um und dennoch ist noch nicht so etwas wie Routine eingekehrt, das ist allerdings auch sehr angenehm, da wir so jeden Tag neue Dinge entdecken und neue Teile des Landes kennen lernen. Besonders interessant und auch sehr lustig war unserer Trip in die ländlichen Regionen, aber bevor ich davon erzähle muss ich noch eben eine erschreckende Erkenntnis mitteilen:

Das Oktoberfest gibt es auch auf den Philippinen. Zwar sieht die ganze Sache hier ein bisschen anders aus, der Sinn ist jedoch der gleiche. Führsorglich wie unsere Gastgeber sind war natürlich klar, dass die beiden deutschen Jungs unbedingt auf dieses Fest müssen. Wir haben uns auch nicht lange bitten lassen, also war das Abendprogramm beschlossene Sache. Leider, oder vielleicht auch zum Glück kamen wir ein wenig zu spät, so dass wir uns entschieden uns doch nicht ins Getümmel zu stürzen sondern lieber in einem kleineren Cafe etwas trinken gingen. Allerdings brachte uns der Abstecher auch noch eine neue Erfahrung ein, denn ich habe in meinem ganzen Leben noch keine so lange Schlange gesehen. Unmengen von jungen Philippinos standen die ganze Schnellstraße entlang, quer über eine Tankstelle und um zwei Ecken an, nur um auf besagtes Oktoberfest zu kommen. Nunja das war auf jeden Fall unser kurzer Kontakt zum philippinischen Oktoberfest, zwar haben wir nicht mit gefeiert, aber allein die Erkenntnis das es so etwas hier gibt hat uns doch sagen wir einmal überrascht.

Jetzt aber weg von solch merkwürdigen kulturübergreifenden Festen hin zu eher typischen Aktivitäten. Teil unserer Einführung war es nämlich nicht nur Manila als Großstadt, sondern auch das Leben auf dem Land kennen zu lernen. Das ist insofern wichtig, da die meisten Menschen auf den Philippinen in den ländlichen Provinzen leben und die Agrarkultur der größte Wirtschaftssektor ist. Also packten wir unsere Sachen zusammen und machten uns auf den Weg nach Umingan. Der Beschreibung unserer Gastgeber nach musste dieses Dorf winzig sein, als wir jedoch nach vier Stunden Busfahrt ankamen wurde mir klar das es mindestens so groß ist wie Rheurdt. Das Leben ist allerdings doch ein anderes. Nach dem wir vorgestellt worden waren, machten wir mit der Jugendgruppe des Dorfes einen kleinen Rundgang, der hauptsächlich dazu genutzt wurde Fotos von uns an allen möglichen Plätzen und mit allen möglichen Menschen zu machen. Danach trennten sich unsere Wege und wir fuhren jeweils zu einer anderen Gastfamilie. Um es schon einmal klar zu stellen waren unsere Familien nicht die typischen Farmer, da sie deutlich mehr Geld hatten als der Durchschnitt, also kann man die Dinge die ich jetzt schildere nicht als Normalzustand betrachten. Nunja meine Familie lebte hauptsächlich davon Hühner aufzuziehen, davon hatten sie auch jede Menge, nämlich ca. 40000. Also war es eine der Aufgaben die Hühner zu füttern. Dabei musste ich meine persönliche Meinung im Hinblick auf Rechte von Tieren und artgerechte Haltung einfach mal runterschlucken um den Frieden zu waren. So werden die Hühner zum Beispiel Tag und Nacht mit lauter Musik beschalt um sie zum einen an Lärm zu gewöhnen und sie zum anderen nicht zu Ruhe kommen zu lassen, damit sie nicht zu viel Fett ansetzen.

Dieser Aspekt war jedoch zum Glück der einzige der negativ war an den Tagen auf dem Land, denn der Rest der Zeit war wirklich schön. So gab es jede Menge Dinge zu tun die man normaler Weise nicht jeden Tag macht, wie zum Beispiel Schweine waschen, wobei ich selbst jedoch deutlich nasser wurde als die Tiere. Außerdem hatten wir die Chance auf einem Wasserbüffel zu reiten, was ziemlich lustig ist, und mit dem Büffel das Feld zu pflügen, was ziemlich anstrengend ist. Die letzen beiden Nächte waren Robert und ich dann wieder zusammen untergebracht und wir hatten die unglaubliche Gelegenheit deutsches Fernsehen zu gucken, was wir dann auch gleich mal nutzen um neues aus der Bundesliga zu erfahren. Diese Neuigkeiten trugen dann natürlich zu meiner guten Laune bei, so das auch die Tatsache das ich unter laufenden Kameras Karaoke singen musste nichts daran ändern konnte. Es war also eine schöne Zeit auf dem Land und auch unsere Gastgeber dort hatten Spaß, so dass wir gleich wieder eingeladen wurden. Also vielleicht gucken wir dort noch einmal vorbei.

Das einzige Problem, das dieser Besuch mit sich führen könnte wäre vermutlich meine Hochzeit. Will heißen das Robert und ich egal wo wir hinkommen erst einmal verkuppelt werden sollen, und da ich mich ja meistens als Single oute trifft es mich dann noch mal härter als Robert. Zwar ist das meiste davon nur Spaß aber es führte dann zum Beispiel dazu, dass während unserer Verabschiedung die Mädels neben uns ihre Vornamen mit unseren Nachnamen ausprobierten. Aber mit dem Risiko müssen wir dann wohl leben.

Achja wir haben außerdem mein zukünftiges Heim in Lucena City besucht, ein wirklich schöner Ort am Meer mit Strand und toller Landschaft drum herum. Aber davon werde ich dann in den nächsten Wochen berichten, da am Freitag unsere Einführungszeit endet und ich mich nach Lucena begebe um da meine Stelle anzutreten. Was ich dort machen werde klärt sich am Sonntag, aber das was ich bis jetzt gehört habe klingt super spannend.

Ich muss jetzt mal aufhören, da wir uns darüber Gedanken machen müssen wie wir mit unser tropfenden Decke verfahren. Das Problem ist nämlich das mal wieder Taifun angesagt ist und es kübelt wie aus Eimern.

Also macht’s gut

Till

 

So jetzt ist es der nächste Morgen und unser Zimmer steht voll Wasser so das wir ins Hotel mussten, aber davon in den nächsten Tagen mehr wenn die Sache vorbei ist. Aber es geht uns weiter hin gut!

 

Von Stromschnellen, Kampfhähnen und kulinarischen Erlebnissen

Autor: Till | Datum: 17 September 2011, 14:33 | Kommentare deaktiviert

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So jetzt sind wir ein bisschen länger als zwei Wochen auf den Philippinen und noch immer haben wir in Manila unsere Einführungsphase.

Anfang letzter Woche wurden wir offiziell durch die Mitarbeiter des UCCP Office und den Bischof der Region begrüßt. Es gab eine kleine Zeremonie, an der wir gleich mal teilnahmen und ein Lied zum besten gaben und das diesmal wirklich freiwillig! Danach gab es natürlich, wie sollte es auch anders sein etwas zu essen. Essen ist übrigens unsere Hauptbeschäftigung hier und die größte Herausforderung ist es sich um die ein oder andere Mahlzeit zu drücken.

 

Aber ich wollte eigentlich etwas über die Aktionen die wir zur Zeit haben erzählen. Also zurück zur Einführungsphase. Das heißt täglich verschiedene neue Dinge kennen lernen um einen Überblick über die momentane Situation auf den Philippinen zu bekommen. So waren wir zum Beispiel heute Morgen beim Generalsekretär der Arbeitergewerkschaft KMU, der uns jede Menge über die Wirtschaftslage erzählte und uns über die Ziele und Hoffnungen der Gewerkschaft aufklärte.

Am  Abend davor galt es ein Projekt der UCCP für Prostituierte kennen zu lernen, in den die Frauen und ihre Kinder gestärkt werden und ihnen verschiedene Dinge beigebracht werden, die ihnen ein evtl. Aussteigen aus dem Milieu ermöglichen, wie z.B. Nähen oder auch Haare schneiden. Im Anschluss an den theoretischen Part machten wir noch mit den Mitarbeiterinnen des Projektes einen Rundgang durch das Viertel, bei dem wir die Chance hatten uns von den betroffenen Frauen selbst einiges erzählen zu lassen und ihnen ein paar Fragen zu stellen.

Zwischendurch gibt es natürlich auch mal weniger interessante Einheiten, aber insgesamt ist es doch sehr spannend.

 

Weiter oben hatte ich ja bereits erzählt das wir mehr oder weniger gemästet werden, will heißen dass z.B. während unserer Sprachstunden alle 90 Minuten kommt Ate Inie mit einem Tütchen voller Snacks in den Raum. Das können den ganz konventionelle Chips sein, oder aber Leckerein wie karamellisierte Bananen oder auch eine riesige Pizza sein. Und das alles natürlich zusätzlich zu den normalen Mahlzeiten, aber es ja nett gemeint, also fühlen wir uns super versorgt.

Da wir es jedoch unserem Gefühl nach nicht schaffen uns um genug Mahlzeiten zu drücken, haben wir beschlossen gelegentlich joggen zu gehen. Der Plan wurde dann auch direkt am nächsten Tag in die Tat umgesetzt, blöderweise starteten wir erst um 12 Uhr Mittags was dann dazu führte, dass wir nicht besonders weit kamen und völlig fertig wieder umdrehen mussten, weil es schon ca. 35 Grad waren. Also sind wir die nächsten beiden Male schon um 6 gestartet, was die ganze Sache deutlich angenehmer macht.

Aber ich möchte hier jetzt nicht den Eindruck erwecken als würden wir hier immer besonders früh aufstehen. Die Menschen die uns hier beherbergen machen sich schon darüber lustig wie lange wir schlafen. (Wenn möglich so bis 11 oder 12, klappt aber leider nur selten, weil wir für die Aktionen zum Teil um halb 9 los müssen.) Der Grund dafür ist aber relativ einfach, aus irgendeinem Grund ist es kaum möglich vor 2 Uhr Nachts einzuschlafen, also hilft nur den Schlaf über den Tag und den Morgen zu verteilen.

Geweckt wird man allerdings egal zu welcher Uhrzeit auf die gleiche Weise. Das liegt daran, dass vor unserem Haus auf dem Hof ca. 15 Kampfhähne leben, die die Männer der Umgebung am Wochenende mit zu Hahnenkämpfen nehmen. Und eine der ersten Sachen die wir herausgefunden haben ist, dass es eine dreiste Lüge ist, das Hähne nur Morgens krähen!

 

Mittlerweile haben wir schon jede Menge philippinische Spezialitäten probiert, die letzte war Durian, eine Frucht die man schon wenn man in die Nähe eines Marktes oder Supermarktes kommt riecht. Um ehrlich zu sein, die Frucht stickt bestialisch, aber das akzeptiert hier jeder, da der Geschmack als sehr lecker gilt. Wir sind uns da noch ein wenig uneinig, aber ich finde, dass man sie auf jeden Fall essen kann und bin mal gespannt was wir noch so alles probieren können.

 

Abschließend vielleicht noch ein Kommentar zur Regenzeit. Irgendwie schaffe ich es noch nicht so richtig mich daran zu gewöhnen einen Regenschirm mitzunehmen auch wenn die Sonne strahlend am Himmel steht und es über 30 Grad sind. Leider bleibt das dann nicht immer so, sondern ändert sich inner halb von wenigen Minuten was dann zur Folge hat das ich nass werde, aber da muss man dann durch. Genauso ungewohnt ist es, wenn man auf den Innenhof kommt und sich wundert warum alle Hähne auf ihren Stangen sitzen und auch die Katzen nicht zu sehen sind, bis man bemerkt, dass man um das Tor zu erreichen erst einmal zwei Stromschnellen passieren muss. Hat man dann das Tor erreicht steht man auf der Straße die mittlerweile aus kleinen Seen besteht. Eine halbe Stunde später ist das ganze Spektakel dann wieder vorbei und es sieht wieder nach Sommer, Sonne Sonnenschein aus. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig, aber doch irgendwie super. Also eigentlich wie alles hier. So weit erst mal.

Schönen Gruß

Till