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Wenn Vorhöfe zu Seen und Straßen zu Flüssen werden

Autor: Till | Datum: 06 Oktober 2011, 17:24 | Kommentare deaktiviert

So den letzten Eintrag habe ich glaub ich damit beendet, dass ich sagte ich müsste mal nach dem Dach sehen bevor es durch die Decke regnet. Das war zwar zu dem Zeitpunkt ein wenig übertrieben, aber unglücklicher weise sollte sich ein paar Stunden später ein ähnliches Problem ergeben.

Denn am nächsten Morgen hatte der Regen immer noch nicht aufgehört, sondern war nur noch stärker geworden, die Decke tropfte nun wirklich munter vor sich hin, und dass nicht wie vermutet nur an einer Stelle sondern gleich an dreien. Als wir jedoch aus der Haustüre guckten stellten wir fest, dass wir gleich ein viel größeres Problem haben könnten, da wir uns vorkamen als ob wir am Ufer eines kleinen Sees stehen würden. Bei meiner mutigen Erkundungstour quer über den See bis hin zur Mauer, die mittlerweile einem kleinen Staudamm glich bemerkte ich das die Straße nicht mehr zusehen war und die Menschen die sich tapfer durch die Fluten kämpften schon bis zu den Waden im Wasser standen.

Zurück an Türschwelle beobachten wir noch ein wenig das Treiben und erfuhren das Vorhöfe durch aus so etwas wie Brandung haben können, was wir vorher auch nicht gedacht hätten. Trotz alle dem ließen wir die Flut, Flut sein und entschieden uns noch eine Runde zu schlafen nachdem wir allerdings unsere Sachen auf den Betten platziert hatten.

Also Licht und Augen zu.

Ungefähr eine Stunde später raffte sich Robert auf und stieg wieder aus dem Bett, wobei er zu unserer Überraschung feststellte, dass er bis zu den Knöcheln im Wasser stand. Die nächsten Minuten waren dann zwar relativ lustig, ( es ist eine sehr interessante Erfahrung ein Papierschiffchen am Kühlschrank vorbei segeln zu sehen ) wurden allerdings von der Nachricht getrübt, dass wir das Hausverlassen müssen, bevor das Wasser die Stromkreise erreicht.

Schnell ein paar Sachen zusammen gepackt und los ging die Wanderung zum nahe gelegenen Hotel. Unterwegs wäre ich dann diverse Male beinahe gestürzt, was vermutlich den Laptop gekostet hätte, und wurde von Wellen die vorbei schleichende Autos verursachten komplett durchnässt, aber schließlich kamen wir sicher an. Das passende Video gibt es übrigens im Internet anzugucken, unterlegt mit qualitativ hochwertigen Kommentaren von Robert. ( http://www.youtube.com/watch?v=pXvA0-a21tE

Im Hotel hofften wir dann, dass das Wasser nicht noch weiter steigt, damit unsere zurückgelassen Gepäckstücke nicht nass werden. Im Endeffekt war das dann zum Glück auch nicht der Fall und am nächsten Mittag konnten wir dann in unser Haus zurück kehren.

Wir haben also unseren ersten richtigen Taifun gut überstanden.

Leider war das nicht bei allen der Fall, so dass wir am nächsten Tag in ein Gebiet führen das härter von dem Sturm getroffen worden war und dort Teile der Verwüstung dokumentierten.

Zur Zeit ( 5.10 eine Woche nach dem Taifun ) stehen manche Gebiete immer noch unter Wasser. Aus diesem Grund wurden verschiedene Hilfsaktionen gestartet, allerdings bekomme ich von denen momentan wenig mit, da ich den Standort gewechselt habe und gerade von Lucena aus schreibe.


Der Start in unseren Projekten war ja eigentlich für letzten Freitag angesetzt, allerdings hat sich unsere Abreise durch den Taifun verzögert.

Nunja jetzt bin ich jedoch endlich zum nächsten Ziel meiner Reise aufgebrochen, okay wenn man es genau nimmt bin ich schon da, aber das ist jetzt egal. Also am Montag wurde ich Morgens von meinem neuen Chef und dem Präsidenten der Jugendorganisation des Gebietes  abgeholt und wir machten uns auf den Weg nach Lucena. Auf dem Weg dorthin legten wir einen Stopp in einer anderen Stadt ein, in der sich das Büro der Menschenrechts- und Friedenspolitikabteilung befindet und planten dort schon mal einen Teil der Aktionen und Veranstaltungen an denen ich im nächsten Jahr teilnehmen werde.

Daraufhin fuhren wir weiter und endeten im Haus der Familie vom Chef, zwar immer noch nicht in Lucena, aber das machte nichts, da die ganze Familie super nett war und ich so einen netten Abend verbrachte.

Am nächsten Morgen ging es dann allerdings schon um 4 Uhr los, um schon morgens in Lucena zu sein.

 

Ach an dieser Stelle könnte ich eigentlich mal eben etwas über das Reisen hier erzählen. Also die Verbindung zwischen den Städten stellen Reisebusse dar, wie wir sie natürlich auch zu Hause haben. Es gibt nur ein paar Unterschiede, einer davon ist, dass die ganze Zeit die Klimaanlage läuft um die eine Angenehme Temperatur zu schaffen, allerdings läuft dabei irgendetwas schief. Meistens ist es so kalt, dass man alles daran setzten muss, zu versuchen die Luft die aus den Lüftern strömt bloß von einem selbst wegzuhalten, ansonsten kann es gut passieren, dass man richtig anfängt zu frieren, auch wenn draußen mehr als 35 Grad herrschen. Des weiteren ist man hier nicht gezwungen ins Kino zu gehen, wenn man nur regelmäßig Bus fährt. Denn während der Fahrt werden die neusten Hollywood Streifen gezeigt, so dass ich jetzt schon alle Filme gucken konnte die grade im Kino waren als ich Deutschland verlassen habe, sehr praktisch auf jeden Fall. Kopierschutz und Urheberrechte sind halt ähnlich wie Verkehrsregeln hier eher Empfehlungen als Gesetzte.

Achja und bei jedem Stopp versuchen die fliegenden Händler ihre Waren an den Mann zu bringen, insbesondere frittierte Schweinehaut ist sehr gefragt, schmeckt auch super, ähnlich wie Chips, aber dennoch kommt bei mir morgens um 4 nicht unbedingt das Verlangen danach auf.

 

Aber zurück zum Thema, also in Lucena angekommen stellte ich nur kurz meine Sachen ab und dann ging es nach einem kleinen Frühstück schon weiter. Auf dem Programm stand es die älteren Leute der Gemeinde, die es nicht mehr zu den Veranstaltungen schaffen zu besuchen. Ich glaube es waren acht Besuche, alle lustig, aber es gab ein großes Problem. Ungelogen bei jedem dieser Besuche gab es etwas zu essen und zwar nicht nur einen Keks oder so, nein es gab Reis, Nudeln, Kuchen und so weiter. Das konnte man natürlich auch nicht ablehnen, also immer rein damit. Dann ging es weiter zu einem der abgelegenen Bereiche direkt am Meer, wo es nach einer kleinen Aktion auch wieder etwas zu essen gab.

 

Trotz all dem Essen war es übrigens ein klasse erster Tag hier, besonders das Ende des Tages war interessant, da am Tag vorher eine der Mitarbeiterinnen gestorben war und es so eine Trauerfeier gab, bei der es wirklich lustig zu ging. Ich hörte mir also drei Stunden Anekdoten über eine Frau an die ich nicht kannte und das auf einer Sprache die ich nicht verstehe und trotzdem konnte ich an der Stimmung teilhaben, ins besondere dadurch, dass ich irgendwann ein paar Leute in meinem Alter gefunden habe, die für mich übersetzten. Am Ende wurde noch gegessen und insgesamt war die Stimmung doch sehr ausgelassen für den Anlass, die Verstorbene konnte übrigens die ganze Zeit daran teilhaben, sie war nämlich vorne aufgebahrt. Heute hab ich den erfahren, das es Tradition ist bei verstorbenen Mitarbeitern jeden Tag bis zur Beerdingung eine solche Feier abzuhalten, allerdings war die heute kürzer und ging nur eine Stunde.

 Ich hab mich bis jetzt ganz gut in die Gemeinde hier eingefunden und jede Menge nette Leute kennen gelernt und wenn es so weiter geht wird das wirklich eine super Zeit.

Im übrigen haben wir heute auch mal so etwas wie einen groben Plan ausgearbeitet was ich wann machen werde, was auch durchaus positiv ist.

 

Nunja alles in Allem geht es mir im Moment wirklich gut und ich fühle mich wohl hier. Achja zu meiner Unterkunft muss ich auch eben noch etwas sagen, auch wenn es hier immer länger wird. Ich wohnte neben der Wohne mehr oder weniger auf dem Dach in einem großen separaten Raum direkt neben der Wohnung in der mein Chef wohnt, der auch klasse ist, wenn er hier in der Ecke und nicht bei seiner Familie ist. Die Aussicht vom Flachdach ist ziemlich gut, so dass ich die ganze Stadt überblicken kann und ich habe alles was ich brauche.

 

So das war es jetzt glaub ich erst mal,

bis denne

Till